Zusammenfassung: Starke Gespräche – mit Stephan Pfob

In dieser Podcastfolge sprechen Andre Beier und Stephan darüber, warum viele Gespräche zwar „laufen“, aber selten wirklich verbinden. Andre startet mit der Boxenstopp-Frage: Wann merkst du, wir reden ständig, aber hören uns nicht zu? Stephan sagt: Genau daran erkennt man es – Fragen werden gar nicht gestellt oder sie werden gestellt, ohne dass danach echte Aufmerksamkeit folgt. Und doch gibt es das Gegenbild: Gespräche, nach denen man leichter rausgeht, weil man sich gehört fühlt.
Woran merkst du nach wenigen Minuten, ob es Dialog ist oder zwei Monologe im Wechsel? Für Stephan sind es zwei Dinge: Erstens echtes Zuhören. Nachfragen, warten, nicht sofort bewerten – und vor allem nicht reflexartig das Thema wieder zu dir zurückziehen. Zweitens das Bedürfnis-Match: In fast jedem Gespräch steckt ein Grundbedürfnis (Klarheit, Lösung, Rat, Wertschätzung oder einfach „mal loswerden“). Stark wird es, wenn beide Seiten dieses Bedürfnis erkennen und sich darauf einstellen.
Das Setting kann helfen (weg vom „Chef-hinter-Schreibtisch“-Modus), aber entscheidend bleibt die Gesprächsführung. Stephan kritisiert unsere Sendekultur: In Social Media und öffentlichen Debatten geht es oft ums Rechtbehalten, nicht ums gemeinsame Verstehen. Dadurch fehlen Vorbilder fürs Zuhören.
Ein Schlüsselbegriff aus Stephans Buch (Vahlen) ist „Ohrenhöhe“: Augenhöhe ist als Ideal nett, aber Hierarchien verschwinden nicht einfach. Ohrenhöhe heißt: Auch mit Hierarchie verlässt du ein Gespräch mit dem Gefühl, wirklich gehört worden zu sein. Das macht Führung wirksam, weil Perspektiven im Team oft Lösungen enthalten, die „oben“ nicht sichtbar sind.
Warum reden wir aneinander vorbei? Stephan sagt: Wir kommen zu zweit, aber eigentlich zu viert – du und ich plus die innere Stimme in jedem Kopf, die kommentiert, drängt und kontrolliert. Andre nennt das seinen „Controller“: Den muss man nicht bekämpfen, aber leiser stellen. Sonst frisst er Energie, erzeugt Zusatzstress und landet irgendwann bei Gesundheit und Dauerbelastung.
Gegen Auftritts- und Gesprächsstress hilft Stephan ein Perspektivwechsel: Nicht „Performance“, sondern „Dialog“. Wer neugierig reingeht und dem Gegenüber vertraut, wird gelassener – und das spürt man.
Beim Feedback räumt Stephan mit der Sandwich-Methode auf: Sie wirkt unehrlich oder verpufft. Besser: direkt und rücksichtsvoll, mit Beobachtungen statt Etiketten. „Facts are friendly“ – also „du hast mich dreimal unterbrochen“ statt „du warst unhöflich“. Zum Schluss differenziert er Empathie und Mitgefühl: Empathie kann parteiisch und reaktiv sein; Mitgefühl bedeutet Abstand, Fragen, Raum.
Praktisch wird’s mit zwei Übungen: Andere aktiv um Rückmeldung bitten („Was soll ich beibehalten, was ändern?“) und nach Gesprächen eine Haltungsnote vergeben (1–5) plus eine Mikroverbesserung ganz bewusst fürs nächste Mal.



