Wir kommunizieren mehr denn je – aber verstehen wir uns auch besser?
Was Unternehmen jetzt über Führung, Entscheidungskultur und KI lernen sollten
Wir kommunizieren heute über mehr Kanäle als je zuvor. E-Mail, Messenger, Videocalls, soziale Netzwerke und interne Plattformen beschleunigen den Austausch. Doch mehr Kommunikation bedeutet nicht automatisch mehr Verständnis.
Darüber habe ich im HiddenCandidates-Podcast mit Dr. Gunther Schunk gesprochen. Ein Gespräch über moderne Führung, Kommunikation auf Augenhöhe, Fehler- und Entscheidungskultur, Netzwerke und die Frage, welche Rolle KI künftig in unserer Kommunikation spielen wird.
Über meinen Gast: Dr. Gunther Schunk
Dr. Gunther Schunk verantwortete rund 20 Jahre die Unternehmenskommunikation der Vogel Communications Group, zuletzt als Director Public Relations. Von 2008 bis 2020 war er zudem Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe.
Er war Stiftungsbeirat der Karl Theodor Vogel Stiftung, die von 2005 bis 2022 gemeinsam mit der Deutschen Fachpresse jährlich den Preis „Fachjournalist:in des Jahres“ vergab. Seit 2022 ist er Mitglied der Jury. Darüber hinaus engagiert er sich ehrenamtlich in mehreren Medienverbänden und Initiativen. Von Mitte 2011 bis Ende 2019 war er Vorsitzender der Kommission Kommunikation der Deutschen Fachpresse.
Seit 2017 ist Dr. Gunther Schunk außerdem Dozent an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt in den Studiengängen „Medienmanagement“ sowie „Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation“.
Kompetenz vor Hierarchie
Ein zentraler Gedanke unseres Gesprächs: Die klassische Kommunikationshierarchie hat ausgedient.
Früher war häufig klar geregelt, wer in einer Besprechung wie viel zu sagen hatte. Position und Titel bestimmten nicht selten auch die Bedeutung eines Beitrags. Doch unsere Arbeitswelt verändert sich heute viel zu schnell, als dass dieses Modell noch funktionieren könnte.
Unternehmen brauchen unterschiedliche Kompetenzen, die je nach Aufgabe immer wieder neu zusammenkommen. Für Gunther bedeutet das: Nicht die Position entscheidet darüber, wer etwas beitragen kann, sondern die Kompetenz.
Daraus entsteht eine dezentrale Kompetenz- und Entscheidungskultur. Entscheidungen müssen dort getroffen werden können, wo das notwendige Wissen vorhanden ist. Führung bleibt wichtig – aber sie muss nicht jede Entscheidung selbst treffen.
Gleichzeitig braucht diese Freiheit eine konsequente Kommunikationskultur. Regelmäßiger Austausch, Transparenz und die Frage „Wer arbeitet eigentlich gerade woran?“ verhindern, dass innerhalb eines Unternehmens neue Silos entstehen.
Aus Fehlerkultur wird Entscheiderkultur
Besonders spannend fand ich einen Gedanken aus unserem Gespräch: Vielleicht sollten wir weniger von „Fehlerkultur“ und stärker von einer Entscheiderkultur sprechen.
Denn Unternehmen müssen heute permanent Entscheidungen treffen – oftmals unter Unsicherheit. Niemand kann immer im Voraus wissen, ob eine Entscheidung richtig sein wird.
Entscheidend ist deshalb nicht, Fehler um jeden Preis zu verhindern. Entscheidend ist, wohlüberlegt zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und anschließend offen darüber zu sprechen, was funktioniert hat und was nicht.
Dafür braucht es eine echte Feedbackkultur. Mitarbeitende müssen auch sagen dürfen: Das hat nicht funktioniert. Das hat mich geärgert. Hier hätten wir es anders machen müssen. Nicht um jemanden bloßzustellen, sondern um gemeinsam besser zu werden.
Genau daraus kann eine lernende Organisation entstehen. Und gleichzeitig werden Fähigkeiten sichtbar, die in klassischen Stellenbeschreibungen möglicherweise überhaupt nicht auftauchen. Denn Menschen können häufig deutlich mehr als das, was ihre aktuelle Funktion von ihnen verlangt.
Wir kommunizieren mehr – aber nicht automatisch besser
Unsere Zeit bietet mehr Kommunikationsmöglichkeiten als jede Generation zuvor. Doch genau darin liegt auch das Problem.
Die eigentliche Kommunikationskompetenz besteht heute nicht mehr darin, überhaupt Informationen verteilen zu können. Sie besteht darin, zu entscheiden: Was muss ich kommunizieren? Für wen ist diese Information relevant? Wie detailliert muss sie sein? Und vor allem: Welcher Kanal ist der richtige?
Nicht jede Nachricht gehört in einen Messenger. Nicht jedes Problem sollte über zehn E-Mails diskutiert werden. Manchmal wäre ein kurzes Telefonat oder ein persönliches Gespräch deutlich effizienter.
Mehr Kommunikation ist nicht automatisch bessere Kommunikation.
Kommunikation braucht deshalb wieder mehr Konzentration und Klarheit. Denn Zeit ist knapp, Informationsmengen steigen und der Stress in vielen Organisationen nimmt zu.
Warum persönliche Kommunikation wieder wichtiger wird
Je digitaler unsere Welt wird, desto wertvoller kann die persönliche Begegnung werden.
Gunther beschreibt die direkte Face-to-Face-Kommunikation als eine besonders starke Form der Kommunikation. Denn dort geht es nicht ausschließlich um Worte. Emotionen, Reaktionen, Tonalität und Körpersprache gehören ebenfalls dazu.
Gerade bei komplexen Themen kann deshalb ein persönliches Gespräch mehr bewirken als zahlreiche digitale Nachrichten.
Das gilt auch für Kundenkommunikation und Vertrieb. Statt Interessenten permanent mit Nachrichten, E-Mails und Anrufen zu erreichen, können Formate entstehen, bei denen Menschen gemeinsam an einem konkreten Thema arbeiten.
Nicht der klassische Frontalvortrag steht dabei im Mittelpunkt, sondern Austausch, Kollaboration und Lernen voneinander.
Damit verändert sich auch Networking. Netzwerke müssen nicht immer dauerhaft bestehen. Je nach Herausforderung können sich temporäre Netzwerke bilden: Menschen aus verschiedenen Unternehmen beschäftigen sich mit demselben Problem, bringen unterschiedliche Erfahrungen ein und entwickeln gemeinsam Lösungen.
Und was macht jetzt die KI?
Natürlich verändert KI auch die Kommunikation.
Sie kann bereits heute viel Arbeit abnehmen: Informationen zusammenfassen, Inhalte strukturieren, erste Ideen entwickeln oder große Informationsmengen schneller zugänglich machen. Das schafft Zeit – und genau diese gewonnene Zeit kann wiederum für die inhaltlich anspruchsvollere Arbeit eingesetzt werden.
Ein Grundsatz aus dem Gespräch bleibt dabei zentral: Human in the Lead.
Gerade dort, wo Kommunikation Orientierung geben, Vertrauen schaffen oder eine bestimmte Zielgruppe wirklich erreichen soll, braucht es Menschen.
Denn gute Kommunikation entsteht nicht nur aus richtigen Informationen. Sie braucht Erfahrung, Kontext, Sprache, Humor, Glaubwürdigkeit und ein Verständnis dafür, was eine bestimmte Zielgruppe bewegt.
KI kann unterstützen. Sie kann Prozesse schneller machen. Sie kann uns den Rücken freihalten. Aber austauschbare Kommunikation wird gerade in einer Welt voller KI-generierter Inhalte wahrscheinlich immer weniger Wirkung entfalten.
Am Ende geht es um menschliche Entscheidungen
Für mich führt unser Gespräch deshalb zu einem entscheidenden Punkt: Je stärker Prozesse automatisiert werden, desto wichtiger wird die Frage, was bewusst menschlich bleiben soll.
Entscheidungen basieren eben nicht ausschließlich auf Daten und Wahrscheinlichkeiten. Sie basieren auch auf Erfahrungen, Haltung, Werten und Wertschätzung gegenüber anderen Menschen.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Aufgabe moderner Kommunikation: Nicht immer mehr zu senden. Sondern klarer zu kommunizieren. Kompetenzen zusammenzubringen. Entscheidungen zu ermöglichen. Menschen einzubeziehen.
Und Technologien dort einzusetzen, wo sie uns helfen – damit wir wieder mehr Zeit für das haben, was Unternehmen am Ende wirklich voranbringt: den Austausch zwischen Menschen.
Transparenzhinweis
Dieser Blogbeitrag basiert auf dem HiddenCandidates-Podcastgespräch mit Dr. Gunther Schunk. Er wurde mit Unterstützung von KI aus dem Gesprächstranskript erstellt, redaktionell überarbeitet und für die Veröffentlichung aufbereitet.



